Ceramic Installation, Video, Sound, Fire

Sayner Hütte, Koblenz, Germany

Zwei Frauen flüstern im Geheimen miteinander: „Niemand erinnert sich an Zahak. Doch
noch heute schlängelt er sich durch unsere Knochen und frisst die Gehirne der Menschen.“ In
diesem Projekt beschäftige ich mich mit Dingen, die aus der Vergangenheit überlebt haben
und zurzeit mit unklarer (unscharfer) Funktion und Bedeutung erscheinen. Es geht um
Überreste (Rudimente) in unserer Anatomie, in unseren Gehirnen oder Gedanken, die mit der
Zeit verschwinden oder Vergessenheit geraten könnten.
In diesem Zusammenhang beschäftige ich mich mit dem persischen Mythos von Zahak, dem
Drachenkönig, der Gehirne frisst. Die Zahak-Geschichte ist für mich aus einer Reihe von
Gründen interessant: Es geht um Gehirne und deren Zerstörung, um die Vernichtung von
Wissen und Weisheit, was mich an die diktatorischen politischen Systeme erinnert, die
versuchen, das Denken der Menschen zu kontrollieren und Informationen zu vernichten. Aus
einer umfassenderen Perspektive lässt sich die Geschichte auch auf die Entwicklung des
Menschen und seiner Kultur beziehen. Entwicklung bedeutet Veränderung. Und das betrifft
unseren Organismus ebenso wie unsere Kultur. Teile unseres Körpers verlieren im Laufe der
evolutionären Entwicklung ihre ursprüngliche Funktion und Bedeutung. Teilweise werden sie
bloßen zu Rudimenten wie etwa das Steißbein oder der Blinddarm. Innerhalb der kulturellen
Entwicklung geschieht etwas ganz Ähnliches. Auch Wissensbestände, Vorstellungen und
Deutungen können für das Leben der Menschen an Relevanz verlieren und in Vergessenheit
geraten. Historische Ereignisse sind harte und unvorhersehbare Ereignisse. Um damit
umzugehen, müssen wir manchmal Altbekanntes hinter uns lassen und überkommenes
Wissen vergessen, obgleich wir stets bemüht sind, dem Vergessen durch Sammlung,
Archivierung und Speicherung von Informationen entgegenzuwirken.

Die Geschichte von Zahak ist also nicht nur als Zeugnis iranischer Kultur von Bedeutung.
Ihre Relevanz ist nicht auf einen bestimmten Kulturkreis begrenzt, sondern sie kann für alle
Menschen bedeutsam sein.
Wenn ich meine eigene Geschichte und Entwicklung betrachte, dann sehe ich mich zwischen
zwei Nationen, zwei Gesellschaftssystemen, zwei Kulturen, zwei Sprachen, zwei
Zeitrechnungen bewegen. In der Übersetzung geht immer etwas verloren. Indem ich Persisch
schreibe und Sie Deutsch lesen: اگر فارسی بنویسم verlieren wir Informationen.
Ich zeige meine Arbeit aus einer dezidiert weiblichen Perspektive, aus der Perspektive von
Zahaks Frau. Diese spielt eine besonders wichtige Rolle in der Geschichte – wichtig aber
zugleich sehr unscharf.

Kunstsparte

Keramik-Installation mit Video und Sound

Close Menu